Haut & Intimpflege

Fruchtsäuren erklärt: Was AHA wirklich mit deiner Haut macht

Glykolsäure, Milchsäure, Mandelsäure: Fruchtsäuren sind aus der Hautpflege kaum wegzudenken. Wie sie wirken und was du bei der Anwendung beachten solltest.

Frau trägt ein Serum mit der Pipette auf
Foto: Pexels

Das Wort „Säure“ klingt nach Labor und Verätzung, nicht nach Gesichtspflege. Trotzdem stehen Fruchtsäuren heute in unzähligen Seren, Tonern und Cremes, und Dermatologinnen setzen sie seit Jahrzehnten ein. Was steckt dahinter, und warum sollte man ausgerechnet Säure auf die Haut geben?

Die kurze Antwort: Fruchtsäuren helfen der Haut bei etwas, das sie ohnehin tut, nämlich sich zu erneuern. Richtig eingesetzt machen sie die Oberfläche glatter und ebenmäßiger. Falsch eingesetzt können sie aber auch reizen. Es lohnt sich also, die Grundlagen zu kennen.

Was AHA eigentlich sind

AHA steht für Alpha-Hydroxysäuren. Den Namen „Fruchtsäuren“ haben sie, weil einige von ihnen ursprünglich aus Früchten oder anderen Pflanzen gewonnen wurden. In Kosmetik werden sie heute meist synthetisch hergestellt. Die wichtigsten sind:

  • Glykolsäure: kommt in Zuckerrohr vor, hat das kleinste Molekül und dringt am leichtesten in die Haut ein. Sie wirkt stark, kann aber auch am ehesten reizen.
  • Milchsäure: ist etwas größer und gilt als sanfter. Sie bindet zusätzlich Feuchtigkeit und ist deshalb oft eine gute Wahl für trockene oder empfindlichere Haut.
  • Mandelsäure: hat ein großes Molekül, dringt langsamer ein und wird oft als besonders mild beschrieben.
  • Zitronen-, Apfel- und Weinsäure: werden häufig in Kombinationen eingesetzt, oft auch, um den pH-Wert eines Produkts einzustellen.

Abzugrenzen sind die BHA, Beta-Hydroxysäuren. Der wichtigste Vertreter ist Salicylsäure. Sie ist fettlöslich, kann deshalb besser in talgverstopfte Poren eindringen und wird vor allem bei unreiner Haut eingesetzt. Daneben gibt es noch PHA, Polyhydroxysäuren, die als besonders sanft gelten.

Was in der Haut passiert

Die oberste Hautschicht, die Hornschicht, besteht aus abgestorbenen Zellen, die wie Ziegel in einer Mauer zusammengehalten werden. Normalerweise lösen sie sich nach und nach von selbst und werden durch neue ersetzt. Mit zunehmendem Alter, durch Sonnenschäden oder bei bestimmten Hauttypen verlangsamt sich dieser Prozess. Die Haut wirkt dann fahl und rau.

Fruchtsäuren lockern die Verbindungen zwischen diesen abgestorbenen Zellen. Sie lösen sich leichter, die Oberfläche wird glatter und reflektiert Licht gleichmäßiger. Fachleute sprechen von einem chemischen Peeling, im Gegensatz zum mechanischen Peeling mit Körnchen.

Fruchtsäuren tragen keine Haut ab, sie helfen ihr loszulassen, was sie ohnehin abstoßen würde.

Je nach Säure und Konzentration können AHA auch tiefer wirken. In höheren Konzentrationen, wie sie in der Hautarztpraxis verwendet werden, regen sie Prozesse in der Lederhaut an.

Wofür Fruchtsäuren gut sind

Fruchtsäuren werden für verschiedene Anliegen eingesetzt:

  • raue, fahle oder unebene Haut
  • leichte Pigmentflecken und dunkle Stellen nach Entzündungen
  • verstopfte Poren und leichte Unreinheiten, oft in Kombination mit Salicylsäure
  • verhornte Stellen an Körper, Ellbogen oder Füßen
  • kleine Hautknötchen an den Oberarmen, die sogenannte Keratosis pilaris

Wunder darf man nicht erwarten. Tiefe Falten oder ausgeprägte Narben lassen sich mit Kosmetikprodukten kaum verändern. Für stärkere Effekte gibt es ärztliche Peelings mit höheren Konzentrationen, die in erfahrene Hände gehören.

Konzentration und pH-Wert

Wie stark eine Fruchtsäure wirkt, hängt nicht nur von der Konzentration ab, sondern auch vom pH-Wert des Produkts. Je niedriger der pH-Wert, desto mehr freie Säure kann wirken und desto stärker, aber auch reizender ist das Produkt. Zwei Produkte mit derselben Prozentangabe können sich deshalb deutlich unterscheiden.

Für den Einstieg eignen sich niedrigere Konzentrationen. Produkte für zu Hause liegen in einem deutlich niedrigeren Bereich als ärztliche Peelings. Wer neu anfängt, sollte nicht mit dem stärksten Produkt beginnen.

So wendest du sie richtig an

Damit deine Haut von Fruchtsäuren profitiert, statt gereizt zu reagieren, helfen ein paar Grundregeln:

  • Langsam starten: Anfangs zwei- bis dreimal pro Woche, am besten abends. Erst wenn die Haut das gut verträgt, häufiger.
  • Erst testen: Ein neues Produkt zunächst an einer kleinen Stelle ausprobieren.
  • Nicht kombinieren, am Anfang: Retinoide, andere Säuren oder Peelings nicht gleichzeitig neu einführen.
  • Nicht auf gereizter Haut: Bei Sonnenbrand, offenen Stellen, Ekzemen oder frisch rasierter Haut pausieren.
  • Auf Schleimhäute verzichten: Augenbereich, Lippen und Intimschleimhaut sind tabu.

Ein leichtes Kribbeln beim Auftragen ist normal. Anhaltendes Brennen, starke Rötung oder Schuppung sind dagegen ein Zeichen, dass das Produkt zu stark ist oder zu oft angewendet wird.

Sonnenschutz ist nicht verhandelbar

Fruchtsäuren machen die Haut empfindlicher gegenüber UV-Strahlung. Das ist gut belegt, die US-Arzneimittelbehörde FDA verlangt deshalb auf AHA-Produkten einen Warnhinweis zur Sonnenempfindlichkeit. Diese Empfindlichkeit kann auch noch einige Tage nach der letzten Anwendung bestehen.

Wer Fruchtsäuren nutzt, sollte daher tagsüber konsequent Sonnenschutz verwenden, auch im Herbst und Winter. Sonst riskierst du genau das, was du bekämpfen möchtest: Pigmentflecken und vorzeitige Hautalterung.

In der Schwangerschaft gelten AHA in niedrigen Konzentrationen meist als unproblematisch. Sprich trotzdem mit deiner Ärztin, bevor du in dieser Zeit neue Wirkstoffe einführst.

Wann zur Ärztin?

Hautärztlichen Rat solltest du suchen, wenn deine Haut auf Fruchtsäuren mit starker Rötung, Blasen oder anhaltendem Brennen reagiert. Auch bei Hauterkrankungen wie Rosazea, Neurodermitis oder ausgeprägter Akne ist es sinnvoll, die Anwendung vorher abzusprechen.

Quellen

  • U.S. Food and Drug Administration (FDA): Alpha Hydroxy Acids in Cosmetics
  • American Academy of Dermatology (AAD): Chemical peels
  • DermNet: Chemical peels
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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt.