Zyklus & Hormone

PMS: Was wirklich hilft und was ein Mythos ist

Reizbar, aufgebläht, erschöpft, und das jeden Monat zur selben Zeit. Was die Forschung über PMS weiß und welche Ratschläge du getrost vergessen kannst.

Frau mit Teetasse entspannt auf dem Sofa
Foto: Pexels

Es gibt diese Tage, an denen dich die Spülmaschine persönlich beleidigt. An denen die Jeans kneift, obwohl sie letzte Woche noch saß, und du um 22 Uhr ernsthaft überlegst, ob Nudeln mit Butter als Abendessen Nummer zwei durchgehen. Drei Tage später ist der Spuk vorbei, die Periode ist da, und du fragst dich, was eigentlich los war.

Das prämenstruelle Syndrom, kurz PMS, gehört zu den häufigsten Zyklusbeschwerden überhaupt. Trotzdem kursieren dazu erstaunlich viele Halbwahrheiten. Zeit, sie zu sortieren.

Was PMS eigentlich ist

Von PMS spricht man, wenn körperliche oder psychische Beschwerden regelmäßig in der zweiten Zyklushälfte auftreten, also nach dem Eisprung, und mit Beginn der Blutung oder kurz danach wieder verschwinden. Entscheidend ist dieses Muster, nicht die Art der Symptome.

Typisch sind unter anderem:

  • Brustspannen, Wassereinlagerungen, Blähbauch
  • Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Müdigkeit
  • Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Niedergeschlagenheit
  • Heißhunger, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten

Viele Frauen kennen leichte Beschwerden vor der Periode. Ein kleinerer Teil ist so stark betroffen, dass Arbeit, Beziehungen oder der Alltag spürbar leiden. Für die schwerste Form, bei der vor allem die Psyche betroffen ist, gibt es einen eigenen Namen: die prämenstruelle dysphorische Störung, kurz PMDS.

Mythos 1: PMS ist ein Hormonungleichgewicht

Das klingt plausibel, ist aber so nicht richtig. Bei Frauen mit PMS sind Östrogen und Progesteron in aller Regel ganz normal. Ein Bluttest, der „zu viel“ oder „zu wenig“ von einem Hormon zeigt, erklärt die Beschwerden deshalb nicht und ist für die Diagnose auch nicht nötig.

Nach heutigem Verständnis reagieren manche Gehirne einfach empfindlicher auf die normalen Hormonschwankungen nach dem Eisprung. Dabei spielt vermutlich das Zusammenspiel mit Botenstoffen wie Serotonin eine Rolle. Das erklärt auch, warum PMS verschwindet, wenn der Eisprung ausbleibt, etwa in der Schwangerschaft oder nach den Wechseljahren.

Nicht die Hormonwerte sind das Problem, sondern wie empfindlich dein Gehirn auf ihre ganz normalen Schwankungen reagiert.

Mythos 2: Das bildest du dir nur ein

Diesen Satz haben viele Frauen gehört, von anderen oder von sich selbst. Er ist falsch. PMS ist medizinisch gut beschrieben und als Beschwerdebild anerkannt. Dass sich Symptome mit dem Zyklus verändern, heißt nicht, dass sie weniger echt sind.

Umgekehrt gilt auch: Nicht jede schlechte Laune ist PMS. Wer jede Gereiztheit reflexhaft dem Zyklus zuschreibt, übersieht womöglich andere Ursachen. Deshalb ist die Dokumentation so wichtig.

Was nachweislich hilft

Der wichtigste erste Schritt ist unspektakulär: ein Symptomtagebuch. Notiere über mindestens zwei Zyklen, welche Beschwerden an welchen Tagen auftreten und wie stark sie sind. So siehst du, ob wirklich ein Zyklusmuster vorliegt, und kannst gezielt reagieren.

Danach gibt es mehrere Ansatzpunkte, die unterschiedlich gut untersucht sind:

Bewegung. Regelmäßige körperliche Aktivität wird in Leitlinien und Patientinneninformationen durchgängig empfohlen. Es muss kein Marathon sein, schon zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen über die Woche verteilt kann die Beschwerden lindern.

Schlaf und Stressabbau. Schlafmangel und Dauerstress verstärken viele PMS-Symptome. Feste Schlafenszeiten und bewusste Pausen in der zweiten Zyklushälfte sind keine Wellness-Kür, sondern sinnvolle Basis.

Psychotherapie. Vor allem die kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, mit den Beschwerden anders umzugehen und ihre Auswirkungen auf den Alltag zu verringern.

Schmerzmittel. Gegen Kopf-, Rücken- oder Unterleibsschmerzen können entzündungshemmende Schmerzmittel helfen. Wer sie regelmäßig braucht, sollte das ärztlich besprechen.

Hormonelle Behandlung. Manche Frauen profitieren von hormoneller Verhütung, die den Eisprung unterdrückt. Ob das passt, hängt von deiner Situation und deinen Wünschen ab.

Antidepressiva. Bei starken psychischen Beschwerden, insbesondere bei PMDS, sind bestimmte Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer gut untersucht. Sie werden teils nur in der zweiten Zyklushälfte eingenommen.

Mythos 3: Mit der richtigen Ernährung ist PMS weg

Ernährung kann eine Rolle spielen, aber die Erwartungen sind oft zu hoch. Weniger Salz kann bei Wassereinlagerungen helfen, weniger Koffein und Alkohol bei Unruhe und Schlafproblemen. Regelmäßige Mahlzeiten verhindern starke Blutzuckerschwankungen, die Heißhunger und Gereiztheit verstärken können.

Für einzelne Nährstoffe wie Calcium oder Vitamin B6 gibt es Hinweise auf eine leichte Wirkung, die Studienlage ist aber begrenzt. Auch pflanzliche Mittel wie Mönchspfeffer werden häufig eingesetzt, ihre Wirkung ist nicht eindeutig belegt. Hochdosierte Präparate solltest du nicht auf eigene Faust einnehmen, gerade Vitamin B6 kann in hohen Mengen Nerven schädigen.

Eine „Hormon-Detox-Kur“ oder spezielle Zyklusdiäten, die PMS verschwinden lassen sollen, sind dagegen nicht belegt.

Mythos 4: Heißhunger auf Schokolade bedeutet Magnesiummangel

Dieser Gedanke hält sich hartnäckig, ist aber nicht belegt. Heißhunger vor der Periode lässt sich eher durch hormonelle Einflüsse auf Appetit und Stimmung erklären, und durch das schlichte Bedürfnis nach etwas Tröstlichem. Ein Stück Schokolade ist völlig in Ordnung. Als Diagnoseinstrument taugt es nicht.

Wann zur Ärztin?

Sprich mit deiner Frauenärztin oder Hausärztin, wenn:

  • die Beschwerden dich im Alltag, im Job oder in Beziehungen deutlich einschränken,
  • du dich vor der Periode regelmäßig hoffnungslos, sehr niedergeschlagen oder stark gereizt fühlst,
  • die Symptome nicht mit der Blutung verschwinden, sondern den ganzen Monat anhalten.

Bring dein Symptomtagebuch mit, es erleichtert die Einordnung enorm. Wenn du in einer schwierigen Phase an Selbstverletzung oder Suizid denkst, wende dich sofort an ärztliche Hilfe oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.

Quellen

  • gesundheitsinformation.de (IQWiG): Prämenstruelles Syndrom (PMS)
  • Frauenärzte im Netz (BVF): Prämenstruelles Syndrom
  • NHS: Premenstrual syndrome (PMS)
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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt.

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