Liebe & Sexualität

Gleitgel: Wasser, Silikon oder Öl?

Gleitmittel ist kein Notfallprodukt, sondern macht Sex für viele schlicht angenehmer. Welche Basis wofür passt und was mit Kondomen funktioniert.

Paar kuschelt im Schlafzimmer
Foto: Pexels

Lange galt Gleitgel als etwas, das man nur braucht, wenn „etwas nicht stimmt“. Diese Vorstellung ist überholt. Gleitmittel kann Sex angenehmer machen, Reibung und kleine Verletzungen verringern und schlicht für mehr Entspannung sorgen.

Wie feucht die Scheide wird, hängt von vielen Dingen ab: von der Erregung, vom Zyklus, von Stress, Medikamenten, Stillzeit oder Wechseljahren. Das schwankt bei jeder Frau. Gleitmittel gleicht diese Schwankungen aus. Doch Gleitmittel ist nicht gleich Gleitmittel. Die Basis entscheidet, wie es sich anfühlt, wie lange es hält und womit es sich verträgt.

Wasserbasis: die vielseitige Grundausstattung

Gleitgele auf Wasserbasis sind die verbreitetste Variante und für die meisten Situationen eine gute Wahl. Sie fühlen sich leicht an, lassen sich mit Wasser abwaschen und hinterlassen keine Flecken auf der Bettwäsche.

Vorteile:

  • mit allen Kondomarten verträglich, also Latex, Polyurethan und Polyisopren
  • für alle Sexspielzeuge geeignet, auch für solche aus Silikon
  • leicht zu entfernen

Nachteile:

  • trocknen schneller, weil Wasser verdunstet und von der Haut aufgenommen wird
  • müssen bei längerem Sex oft nachgelegt werden, manchmal reichen auch ein paar Tropfen Wasser zum Reaktivieren
  • weniger geeignet unter der Dusche oder in der Badewanne

Ein genauerer Blick auf die Zusammensetzung lohnt sich. Sehr hoch konzentrierte Gleitgele können der Schleimhaut Wasser entziehen und sie reizen. Die Weltgesundheitsorganisation hat dazu Empfehlungen veröffentlicht, wie konzentriert Gleitmittel höchstens sein sollten. Auf der Packung steht dieser Wert allerdings selten. Wer zu Reizungen oder Scheidenpilz neigt, fährt meist besser mit einfachen Rezepturen ohne Duftstoffe, Aromen oder Wärmeeffekte.

Silikonbasis: lange gleitfähig

Gleitmittel auf Silikonbasis fühlen sich seidig an und bleiben deutlich länger gleitfähig, weil sie nicht verdunsten oder in die Haut einziehen. Schon eine kleine Menge reicht oft lange.

Vorteile:

  • sehr ergiebig und langanhaltend
  • auch im Wasser gut geeignet
  • mit Latex- und Polyurethan-Kondomen verträglich
  • beim Analsex besonders beliebt, weil der Analbereich keine eigene Feuchtigkeit bildet

Nachteile:

  • lassen sich nur mit Wasser und Seife entfernen
  • können Flecken auf Textilien hinterlassen
  • können manche Sexspielzeuge aus Silikon angreifen, deren Oberfläche dann rau oder klebrig wird

Wer ein Spielzeug aus Silikon nutzt, greift deshalb besser zu Wasserbasis oder testet das Silikongleitmittel vorher an einer unauffälligen Stelle.

Öl: angenehm, aber nicht mit Latex

Öle wie Kokos-, Mandel- oder Massageöl werden gern als natürliche Alternative genutzt. Sie fühlen sich weich an und halten lange. Für die Haut von Vulva und Körper sind sie bei vielen gut verträglich.

Bei Öl und Latex gibt es keinen Kompromiss: Die Kombination macht Kondome unsicher.

Der entscheidende Haken: Öl greift Latex an. Schon nach kurzer Zeit kann ein Latexkondom porös werden und reißen, ohne dass man es bemerkt. Das gilt auch für Kondome aus Polyisopren. Damit ist der Schutz vor Schwangerschaft und sexuell übertragbaren Infektionen nicht mehr gegeben. Auch ein Diaphragma aus Latex verträgt sich nicht mit Öl. Ölhaltige Produkte sind daher nur dann eine Option, wenn ihr keine Latexkondome verwendet, sondern zum Beispiel Kondome aus Polyurethan oder Nitril, oder ganz auf Kondome verzichtet.

Zudem lassen sich Öle schwer aus der Scheide entfernen. Es gibt Hinweise, dass sie bei manchen Frauen das Risiko für Scheideninfektionen erhöhen können. Die Datenlage ist begrenzt, wer jedoch zu Infektionen neigt, sollte vorsichtig sein. Auch Vaseline, Bodylotion und Cremes sind als Gleitmittel ungeeignet: Sie können Kondome beschädigen und die Schleimhaut reizen.

Kurzer Überblick zur Kondom-Verträglichkeit

  • Latexkondome: Wasser ja, Silikon ja, Öl nein
  • Polyisopren-Kondome: Wasser ja, Silikon ja, Öl nein
  • Polyurethan-Kondome: Wasser, Silikon und Öl möglich
  • Nitril-Kondome (häufig bei Kondomen für die Frau): Wasser, Silikon und Öl möglich

Im Zweifel hilft ein Blick auf die Packungsbeilage des Kondoms. Dort steht, welche Gleitmittel geeignet sind.

Noch ein praktischer Hinweis: Gleitmittel wirkt am besten, wenn es großzügig verwendet wird. Gib es nicht nur auf die Scheide oder den Analbereich, sondern auch auf das Kondom oder das Spielzeug. Bei Kondomen gehört es auf die Außenseite, nicht ins Innere, weil das Kondom sonst verrutschen kann.

Worauf du sonst achten kannst

Neben der Basis gibt es ein paar weitere Punkte, die bei der Auswahl helfen:

  • Empfindliche Haut: Je weniger Zusatzstoffe, desto geringer das Risiko für Reizungen. Duftstoffe, Aromen, kühlende oder wärmende Zusätze sind häufige Auslöser.
  • Verträglichkeit testen: Wer ein neues Produkt ausprobiert, kann vorher eine kleine Menge auf die Innenseite des Unterarms geben und einen Tag abwarten. Das ersetzt keinen Test an der Schleimhaut, zeigt aber starke Reaktionen.
  • Kinderwunsch: Viele herkömmliche Gleitmittel können die Beweglichkeit von Spermien beeinträchtigen. Es gibt speziell spermienfreundliche Gleitmittel. Sprich das bei Kinderwunsch in deiner Praxis an.
  • Scheidentrockenheit in den Wechseljahren: Gleitmittel helfen im Moment, ersetzen aber keine Behandlung. Feuchtigkeitsgele für die Scheide oder lokale Hormonbehandlungen können ärztlich empfohlen werden.

Wann zur Ärztin?

Wenn du trotz Erregung und Gleitmittel häufig Trockenheit, Brennen oder Schmerzen beim Sex hast, lass das gynäkologisch abklären. Dahinter können Infektionen, hormonelle Veränderungen oder Hauterkrankungen stecken. Auch wenn du nach der Anwendung eines Gleitmittels wiederholt Juckreiz, Rötungen oder veränderten Ausfluss bemerkst, ist ein Termin sinnvoll.

Quellen

  • WHO, UNFPA, FHI 360: Use and procurement of additional lubricants for male and female condoms (Advisory Note)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), liebesleben.de: Kondome richtig anwenden
  • Deutsche Aidshilfe: Kondome und Gleitmittel
  • Frauenärzte im Netz (Berufsverband der Frauenärzte): Scheidentrockenheit
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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt.